Ergebnis:

Beinahe ein Semester haben wir gebraucht, um uns unsere anfängliche Begeisterung und Tatkraft wegblasen zu lassen. Von Fallwinden und ungefährlichen Strömungen, von Winden und Böen, die da oben herrschen. Von Zweiflern, Zauderern und Ingenieuren, von Sportpiloten und Hobbyfliegern hieß es: "Fliegen, in der Stadt, ökologisch sinnvoll, das geht nicht!"

Man lehnt sich jetzt im Sessel zurück: "Ich hab’s ja gleich gesagt!" Ja, aber wohl keine guten Argumente gehabt, die haben wir uns jetzt selbst geliefert. Entwurfsverweigerung! Das geht alles so nicht wie wir das wollten: Luftschiffe sind riesig und windanfällig und von der Ökobilanz her gesehen katastrophal, wenn sie noch so umweltfreundlich und majestätisch schwebend anmuten. Der Raketenrucksack scheidet auch aus, offensichtlich auch kein ökologischer Saubermann. Drachen oder Gleitschirme sind wind- und thermikabhängig und vom Boden kommt man gleich gar nicht weg.

Rechtliche Aspekte, die wir wissentlich nicht berücksichtigt haben, stellen ebenfalls unüberwindbare Hürden dar.

Die Idee, wie sie von uns anfangs formuliert und gedacht war, ist so nicht machbar. Das harte Briefing, das wir uns selbst gestellt haben, macht das alles so unmöglich.

Aber wollen wir überhaupt noch das, was wir uns anfangs vorgestellt haben?

Wir wollen auf jeden Fall nicht das gleiche. Jeder hat eigene Vorstellungen entwickelt, wie das Fliegen von statten gehen soll, das Abheben, das Landen (ist man geflogen, wenn man landet?).

Zeitweilig hatten wir sogar unsere Betreuer überzeugt, dass wir an einem realisierbaren Konzept arbeiten. Uns auch und teilweise sind wir es noch.

Aber mehrere zehntausend Mark für das Funktionsmodell einer Vision, die so wenig mit unseren Grundvorstellungen gemein hat?

Stattdessen haben wir einen Lösungsansatz entwickelt, der ganz anders aussieht als alle gedacht hätten, auch wir selbst.

Der Ballon, der Flügel oder der Rotor, sie alle sind verschwunden. Was bleibt, ist die Aufhängung. Immer wenn ein Mensch fliegt, hängt sitzt oder liegt er in auf oder an einem Gestell, einer Aufhängung oder einem Sitz. Nie fliegt er völlig frei. Das körperliche Erleben des Fliegens wird somit in der Realität, im Vergleich zum geträumten Fliegen, reduziert, da man immer noch die Schwerkraft spürt, die nach unten zieht. Man sitzt also oder hängt an dem Flugkörper und die Beine baumeln in der Luft oder die Nase zeigt nach unten während der Bauch aufliegt.

Ersetzen wir den Ballon durch einen Karabinerhaken und ein Seil und hängen wir uns irgendwo hin. Zum Beispiel in einen Bus. Stangen, normalerweise zum Halten, sind vorhanden und der Bus bewegt sich durch die Stadt. Die Füße baumeln in der Luft und ökologisch sinnvoll ist der ÖPNV unbestrittenermaßen.

Im urbanen Raum ökologisch sinnvoll fliegen!

Do fly!